Worum geht es in der Debatte um genetisch veränderte Nahrungsmittel?

Von Chris Talbot
18. August 1999

In Großbritannien vergeht kaum eine Woche, in der genetisch veränderte Nahrungsmittel nicht in die Schlagzeilen geraten, und in der Regel sind diese negativ. In der vergangenen Woche kam die Englische Kirche zu dem Schluss, dass die Freisetzung von genmanipulierten Nahrungsmitteln auf ihren Ländereien ethisch falsch war. In der Vorwoche war der adelige Greenpeace-Führer Lord Melchett verhaftet und über Nacht in Gewahrsam genommen worden, weil er eine Gruppe angeführt hatte, die ein Feld mit genetisch veränderten Pflanzen im Rahmen der staatlichen Freilandversuche zerstörte. Großbritannien ist das Land, von dem die großen Hersteller von genmanipuliertem Saatgut, wie Monsanto, Novartis u.a., sich eine positive Reaktion erhofft hatten, um sich von hier aus Zugang zu dem restlichen Europa zu verschaffen.

Vor einem Jahr lehnten lediglich 20 bis 30 Prozent der britischen Bevölkerung genetisch veränderte Nahrungsmittel ab, inzwischen ist die öffentliche Ablehnung auf 80 Prozent gestiegen - auf das gleiche Niveau wie in Deutschland. Wiederholte Bedenken über die Sicherheit von Nahrungsmittel in Großbritannien, insbesondere im Zusammenhang mit dem Rinderwahn (BSE), machten es den Gegnern genmanipulierter Nahrung leicht, die öffentliche Meinung zu ändern. Figuren aus dem Establishment wie Prinz Charles haben mit großer Medienunterstützung genetisch veränderte Produkte verurteilt und angeprangert. Die Labour-Regierung gerät zunehmend in Verlegenheit, da sie eng mit den biotechnischen Konzernen zusammengearbeitet hat, um die Akzeptanz für genetisch veränderte Nahrung zu erhöhen, nachdem die Unternehmen Millionen von Pfund in Werbung und die Beeinflussung von Politikern gesteckt hatten. Die meisten großen Supermärkte verweigern mittlerweile die Aufnahme von genetisch veränderten Produkten aus den Vereinigten Staaten in ihr Sortiment oder bestehen zumindest auf einer deutlichen Kennzeichnung dieser Waren.

Großbritannien ist nicht als einziges Land im Visier der biotechnischen Konzerne. Brasilien ist der zweitgrößte Sojaexporteur der Welt. Die Vereinigten Staaten als größter und Argentinien als drittgrößter Exporteur sind zügig zur Produktion von genmanipuliertem Soja übergegangen und überließen Brasilien damit die Belieferung der europäischer Supermärkte, die genetisch veränderte Nahrungmittel ablehnen, mit unverändertem Soja. Brasilianische Umweltgruppen haben im Juni eine gerichtliche Verfügung erwirkt, wonach Monsanto verpflichtet ist, vor dem Verkauf seines Saatguts eine "Umweltbelastungsstudie" durchzuführen. Obwohl das brasilianische Landwirtschaftsministerium Monsanto unterstützt, ist die Regierung über diese Frage gespalten und das Umweltministerium entgegengesetzter Ansicht.

In Indien, wo 700 Millionen Menschen ihre Einkünfte direkt aus der Landwirtschaft beziehen, versuchen die biotechnischen Unternehmen intensiv, die Akzeptanz von genmanipulierten Pflanzen zu erhöhen. Monsanto hat 20 Millionen Dollar in das modernste Genforschungzentrum Indiens gesteckt und geschätzte 4 Milliarden Dollar für den Aufkauf von Saatgutherstellern und damit zusammenhängenden Unternehmen ausgegeben. Unter dem Druck von Umweltschützern hat das Höchste Gericht die Freisetzung auf Testgeländen für die Zeit der schwebenden juristischen Untersuchung untersagt. Protestierende Bauern im Bundesstaat Karnataka schnitten die Baumwolle auf zwei Testgeländen von Monsanto nieder und verbrannten sie. Die größte Angst in Indien herrscht vor der Einführung der sogenannten Terminator-Technologie. Obgleich diese noch in der Entwicklung steckt, kann genmanipuliertes Saatgut Pflanzen mit unfruchtbaren Samen hervorbringen; dadurch wird es den Bauern unmöglich gemacht, den Pflanzen Samen zu entnehmen, um sie im darauffolgenden Jahr anzupflanzen - und die Kontrolle durch die Saatguthersteller ist sichergestellt.

Obwohl die Frage nach der Terminator-Technologie in den Medien hochgespielt wurde, hängt sie doch direkt mit dem Problem der Genmanipulation unter den Bedingungen der kommerziellen Produktion zusammen. Die genetische Veränderung von Pflanzen und Tieren zum Nutzen der Menschheit ist keine Neuheit - Kreuzung und Züchtung werden seit Hunderten, wenn nicht Tausenden von Jahren betrieben. Was in den letzten Jahrzehnten als Folge der Revolution in der Molekularbiologie machbar wurde, geht weit über traditionelle Formen der Züchtung und Hybridisierung hinaus. Ein Gen einer jeden beliebigen Spezie kann mit Hilfe der heute verfügbaren komplexen Techniken in die Zellen einer Pflanze (einer Bakterie, eines Tieres) eingefügt werden und dadurch ihr Erbgut verändern. Hier sei nur ein Beispiel aus Hunderten angeführt, um zu illustrieren, was diese Entwicklung bedeutet:

Wissenschaftler der Universität von Edinburgh haben eine genetisch veränderte Kartoffel entwickelt, die grün leuchtet, wenn sie Wasser braucht. Der Kartoffel wurde das Gen einer Qualle zugefügt, welches ein fluoreszierendes Protein produziert. Glücklicherweise ist der grüne Schimmer nur für spezielle elektronische Geräte sichtbar. Die Wissenschaftler hoffen darauf, das Agrargeschäft von der Finanzierung einer vierjährigen Forschungs- und Testphase zu überzeugen, um die Kartoffel für den Markt zulassen zu können.

Die Kontroverse hat allerdings dadurch Aufschwung bekommen, dass die für den Markt zugelassenen genetisch veränderten Pflanzen - das Ergebnis von Milliarden Dollar an Inverstitionen - in den meisten Fällen, wie bei der Terminator-Technologie, augenscheinlich so gestaltet sind, dass sie den biotechnischen Unternehmen Kontrolle über die Bauern und Vorherrschaft über die gesamte Landwirtschaft geben. In der Regel werden bei der genetischen Veränderung Pflanzen resistent gemacht gegen ein Herbizid oder Pestizid, das von demselben Konzern vertrieben wird, der auch das Saatgut verkauft. Das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich das "Roundup Ready"-Getreide von Monsanto, das resistent ist gegen das "Roundup"-Herbizid derselben Firma.

In einer solchen Auseinandersetzung müssen die Behauptungen und Gegenbehauptungen der Wissenschaftler und Umweltschützer über die möglichen Risiken von genmanipulierten Organismen mit größter Vorsicht beurteilt werden. Es gab keine wissenschaftlichen Einwände gegen die Verwendung der Genmanipulation bei der Herstellung von Antibiotika und anderen medizinischen Produkten. Ein Großteil der Bedenken über genetisch veränderte Pflanzen bezieht sich darauf, ob ihre neuen Gene auf benachbarte Gewächse übertragen werden können, die dann ebenfalls resistent gegen Chemikalien wären. Ganz oben stehen die Fragen nach dem möglichen Schaden für die Natur sowie die Bedenken bezüglich langfristigen Gesundheitsschäden bei Menschen, die genetisch veränderte Nahrung essen.

Zu einer objektiven Beurteilung in diesen Fragen zu gelangen ist beinahe unmöglich geworden, da große Bereiche der wissenschaftlichen Forschung entweder direkt von der biotechnischen Industrie finanziert werden oder ihre Gelder aus Ressorts der Regierung erhalten, deren erklärtes Ziel die Förderung der Forschung zum Nutzen der Industrie ist. Im vergangenen Jahr wurde ein Schlaglicht auf dieses Problem geworfen, als die Ergebnisse einer dreijährigen Studie unter der Leitung von Dr. Arpad Pusztai am Rowett Forschungsinstitut in Schottland über das Wachstum und das Immunsystem von Ratten, die mit genetisch veränderten Kartoffeln gefüttert worden waren, unterdrückt wurden und Dr. Pusztai seine Arbeitsstelle verlor (siehe auch Link am Ende des Artikels). Pusztais Arbeit wurde von der angesehenen Royal Society und dem Wissenschafts- und Technikkomitee des Unterhauses ungerechterweise als unbrauchbar abgetan - weil sie angeblich keiner Überprüfung durch andere Fachleute unterzogen wurde und keine gültigen statistischen Verfahren verwendet habe. Dr. Pusztai betonte, dass die Royal Society lediglich einen internen Bericht des Instituts untersucht hatte - und nicht die gesamte, umfassende Studie seines Teams. Die Forderung nach einer Überprüfung durch gleichrangige Fachleute muss vor dem Hintergrund gesehen werden, dass es überprüfte Arbeiten auf diesem Gebiet gar nicht gibt, denn die biotechnische Industrie arbeitet unter Geheimhaltung und veröffentlicht ihre Daten nicht.

Versuchsanpflanzungen und Tests mit genmanipulierten Pflanzen, die von einer Reihe von Ländern durchgeführt wurden, haben kaum wissenschaftliche Beweise erbracht, dass kein Risiko für die Umwelt besteht. Vor drei Jahren begann die Europäische Union in ihren Mitgliedsländern mit Versuchen kleineren Maßstabes. In Großbritannien wurden in diesem Jahr die 146 Versuchsfelder mit kleinem Umfang (aufgrund von Protesten wurden die ursprünglich geplanten 170 Versuche auf 146 reduziert) ausgeweitet und beinhalten nun auch Versuchsfelder mit größerem Umfang, von denen jedes etwa 20 Hektar umfasst. Über die methodische Vorgehensweise bei den Versuchen wurden keinerlei Details veröffentlicht, obwohl sie angeblich unabhängig von den Vertretern des Agrargeschäfts waren. Im März dieses Jahres erbrachte Dr. Jean Emberlin, Direktorin des Nationalen Verbands zur Erforschung von Pollen, den Beweis, dass Bienen oder starke Winde den Pollen der Pflanzen wesentlich weiter tragen können als die 200 Meter breite "Absperrungszone", die die Freilandversuchen von den benachbarten Feldern trennt. Es überrascht nicht, dass es Beschwerden der Landwirte gab. Infolge der Kritik der Medien und nachdem die Freisetzungsversuche schon begonnen hatten, erklärte die britische Regierung im Juni, dass ein neues, "unabhängiges" Komitee von Wissenschaftlern eingerichtet worden sei. Die Regierung gab bekannt, dass das Komitee die Gestaltung des Experiments, die statistische Analyse und die Interpretation der Ergebnisse anleiten würde und gab damit indirekt zu, dass die Versuche nicht durchdacht waren.

Handelskrieg

Auch wenn sie unter dem Druck von Umweltschützern stehen, ist die Hauptsorge der EU-Politiker der Schutz der europäischen Landwirtschaft. Ein Vorschlag der EU-Umweltminister im Rahmen eines Treffens Ende Juni lief auf einen vorläufigen Stopp der Aufzucht von genetisch veränderten Nutzpflanzen in Europa hinaus. Bis 2002 und darüber hinaus werden keine neuen Genehmigungen zur Aufzucht dieser Pflanzen erteilt. Genetisch veränderte Nahrungsmittel im Handel müssen gekennzeichnet werden, eingeschlossen solche aus den USA.

Die Forderung nach einer Kennzeichnung von Lebensmitteln, die genetisch veränderte Produkte, wie beispielsweise Soja enthalten, wird den Handelskrieg über landwirtschaftliche Produkte zwischen den USA und Europa unvermeidlich weiter zuspitzen. Guy de Jonquieres, Experte der Financial Times, drückte es folgendermaßen aus: "Wenn Europa seine Märkte für diesen Handel mit einem Volumen von 1,5 Milliarden Dollar schließt, kann es damit einen Konflikt auslösen, neben dem die jetzigen transatlantischen Differenzen über den Handel mit landwirtschaftlichen Produkten klein erscheinen." Weil in den Vereinigten Staaten genetisch veränderte Produkte wie Soja und Mais normalerweise mit unveränderten Sorten gemischt werden, können riesige Menge nicht länger in Europa verkauft werden - im vergangenen Jahr schätzte das amerikanische Landwirtschaftsministerium die Verluste allein im Handel mit Mais auf 270 Millionen Dollar; und dies, bevor die Opposition gegen genmanipulierte Nahrungsmittel ihren derzeitigen Höhepunkt erreichte.

In der Vorbereitung auf die Gespräche der Welthandelsorganisation im November fordert die amerikanische Landwirtschaftslobby ein kämpferisches Auftreten in der Frage von genetisch veränderten Nahrungsmitteln. Der amerikanische Unterhändler Peter Scher erklärte, dass "amerikanische Produzenten oder die Landwirte Amerikas nur deshalb unter Diskriminierung im Handel leiden, weil sie Techniken anwenden, deren wissenschaftlicher Nutzen bereits erwiesen ist. [...] Wir müssen den Ängsten der europäischen Konsumenten ehrlich begegnen, aber wir müssen ihnen auf der Grundlage von objektiver, wissenschaftlicher Gewissheit begegnen und nicht der Politik und dem Protektionismus die Lösung dieser Fragen überlassen."

Der Streitpunkt erschöpft sich nicht nur darin, dass die amerikanische Landwirtschaftslobby versucht, ihren fallenden Einkünften aus dem Export neuen Auftrieb zu geben. Hinter den Landwirten stehen die biotechnischen Unternehmen Monsanto, Dupont, Novartis, Zeneca-Astra und Dow Agrochemicals, die die Absicht haben, über genetisch veränderte Nutzpflanzen die Landwirtschaft und mit ihr verbundene Industrien weltweit zu beherrschen. Sie haben mit einer ungeheuren Geschwindigkeit die Anwendung von Techniken der Genmanipulation durchgesetzt. Ende der 80er Jahre lauteten die Prognosen, dass biotechnische Methoden im Rahmen der landwirtschaftlichen Produktion erst im nächsten Jahrhundert angewandt würden. Inzwischen jedoch breiten sich genetisch veränderte Nutzpflanzen auf der ganzen Welt exponentiell aus. Betrug die Fläche ihrer Anpflanzung 1996 noch 1,5 Millionen Hektar, so war die Zahl 1997 auf 8,1 Millionen Hektar gewachsen und mittlerweile liegt sie bei gut 30 Millionen Hektar.

Etwa 64 Prozent der genetisch veränderten Pflanzen wachsen in den Vereinigten Staaten, wo über ein Dutzend dieser Produkte genehmigt worden sind. Von der Gesamtmenge aller aufbereiteten Nahrungsmittel, die in den USA gegessen wird, enthalten bereits 60 Prozent genetisch veränderte Produkte. 55 Prozent des Soja, 50 Prozent der Baumwolle und 40 Prozent des Mais in den Vereinigten Staaten sind schon genetisch verändert. Andere Länder, die nun in beträchtlichem Umfang genmanipulierte Nutzpflanzen ziehen, sind China, Argentinien und Kanada; viele weitere Länder stehen unter dem enormen Druck transnationaler Konzerne der Produktion dieser Pflanzen zuzustimmen.

Genetisch verändertes Saatgut ist in der Regel mit einem bestimmten Herbizid oder Pestizid verbunden. Aus diesem Grund haben eine Reihe von Fusionen und Übernahmen stattgefunden mit dem Ergebnis, dass der globale Markt nun in den Händen von einigen wenigen Unternehmen liegt.

Monsanto (USA), der drittgrößte agrochemische Konzern der Welt, ist gleichzeitig der zweitgrößte Saatguthersteller weltweit. Novartis (Schweiz), der zweitgrößte agrochemische Konzern, ist gleichzeitig der drittgrößte Saatguthersteller der Welt. Andere Große im Geschäft sind Dupont (USA), an fünfter Stelle in der agrochemischen Industrie und mit 20 Prozent Aktienbeteiligung an dem größten Saatgutproduzenten, und Zeneca-Astra (Großbritannien und Schweden), der viertgrößte agrochemische Konzern und Teilhaber am fünftgrößten Saatguthersteller. Insgesamt fünf bis sechs Unternehmen haben buchstäblich die absolute Kontrolle über den Markt an genetisch verändertem Saatgut. Alle haben Umsätze von mehreren Milliarden Dollar jährlich.

Im Zuge der sogenannten Grünen Revolution seit den 50er Jahren haben sich die Erträge der landwirtschaftlichen Produktion in vielen Gebieten durch den Einsatz von Düngemitteln und das Zurückdrängen von Krankheiten, Seuchen und Unkraut durch Chemikalien mehr als verdoppelt. Während die agrochemische Industrie in der Lage war sich eine beständige Quelle des Profits zu sichern, konnten die Umweltschäden lange Zeit heruntergespielt werden. Als die Profite aus diesen traditionellen Chemikalien zurückgingen und Ertragssteigerungen schwieriger wurden, begannen Unternehmen wie Monsanto große Investitionen in die Biotechnologie und Genmanipulation zu tätigen. Neben der Behauptung, dass sie weniger Chemikalien benötigen und daher umweltfreundlicher sind, versprechen die genetisch veränderten Nutzpflanzen den Bauern höhere Erträge. (Diese Ansicht ist umstritten. Die Industrie behauptet, dass die Ernteerträge um neun Prozent steigen und der Herbizideinsatz um 40 Prozent sinkt. Allerdings lässt sich aus den jüngst veröffentlichten Statistiken des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums keine bedeutende Steigerung der Erträge oder Reduzierung von Herbiziden und Pestizide ableiten.)

Die verzweifelte Lage, in der sich ein Großteil der Landwirtschaft weltweit befindet, und der Zusammenbruch der Warenpreise infolge der Krise in der ehemaligen Sowjetunion und in den ostasiatischen Volkswirtschaften haben Bedingungen geschaffen, unter denen Bauern leichter in einen Vertrag mit den Vertreibern von genmanipuliertem Saatgut getrieben werden. Gesetzliche Vereinbarungen verpflichten die Bauern zum jährlichen Kauf von genetisch verändertem Samen und verhindern, dass sie ihrer Ernte Samen zur Aussaat im folgenden Jahr entnehmen. In den USA gibt es bereits Dutzende von Klagen der biotechnischen Konzerne gegen Landwirte wegen Vertragsbruch.

Ein Großteil der jetzigen Mediendebatte über genetisch veränderte Nahrungsmittel konzentriert sich auf den Konflikt zwischen den Unterstützern der biotechnischen Industrie und den verschiedenen Umweltschutzorganisationen wie z.B. Greenpeace. Die Umweltschützer haben dabei keine wirkliche Alternative zu den transnationalen Konzernen aufgezeigt. Ihre Hauptforderung ist die Herstellung und der Verkauf von biologisch-organischen Lebensmitteln. Für die viel höheren Kosten, die mit solchen Produkten verbunden sind, kann die Mehrheit der Bevölkerung nicht aufkommen. Ebensowenig bieten sie eine Alternative für die Entwicklungsländer, die unter der Herrschaft der transnationalen Konzerne und Banken stehen. Bei der Durchführung ihrer Kampagne haben sie auf die Macht anderer Unternehmen gesetzt - auf die Supermarktketten, die den Verlust ihrer Kundschaft befürchten. Die Ausbeutung der Entwicklungsländer durch die Supermärkte, die selbst mächtige transnationale Konzerne sind, wird bequemerweise vergessen.

Es gibt nur einen Weg um die Lebensmittelproduktion in einem Rahmen zu entwickeln, der die Bedürfnisse der Weltbevölkerung erfüllt, während sie gleichzeitig sicher ist, d.h. den Ernährungsbedarf befriedigt ohne ernste Umweltschäden zu verursachen: die Lebensmittelproduktion dem Profitstreben zu entziehen und sie unter die demokratische Kontrolle der breiten Masse der Bevölkerung zu stellen. Es wird höchste Zeit, dass die Diskussion über die Gefahren und Möglichkeiten der genetisch veränderten Nahrungsmittel ausgeweitet wird zu einer Kritik der kapitalistischen Produktionsweise und der Klassengesellschaft.

Siehe auch:
Safety of genetically modified food questioned. Interview with gene scientist, Dr. Arpad Pusztai
(3. Juni 1999)