Dax-Vorstände kassieren Millionengehälter

Von Elisabeth Zimmermann
16. März 2010

Die Vorstandschefs der im Dax gelisteten Unternehmen haben 2009 trotz Wirtschaftskrise und Umsatzeinbrüchen gut verdient. Das zeigt eine Einkommensstudie, die vor kurzem im Handelsblatt veröffentlicht wurde.

An der Spitze der bestbezahlten Manager standen Siemens-Chef Peter Löscher und RWE-Chef Jürgen Großmann mit Jahreseinkommen von mehr als 7 Millionen Euro, dicht gefolgt von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn mit 6,6 Millionen Euro. Noch nicht berücksichtigt in diesen Zahlen sind die Pensionsaufwendungen für die Konzernchefs, die sich jeweils noch einmal auf bis zu zwei Millionen Euro belaufen.

Die aktuelle Studie berücksichtigt die Einkommen von 18 Vorstandschefs der insgesamt 30 Dax-Unternehmen. Für die anderen zwölf liegen noch keine Daten vor. Ihre Einkommen sind 2009 trotz Krise nur leicht gesunken. 2008 hatten sie noch durchschnittlich eine Million Euro Jahreseinkommen eingebüßt.

Eine Ausnahme unter den Konzernvorständen bildet ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz, dessen Einkommen im Vergleich zum Vorjahr von 4,2 Millionen Euro auf 1,9 Millionen Euro sank. Der Stahlkonzern war stark von Auftragsrückgängen in Folge der internationalen Wirtschaftskrise betroffen. Zusätzlich musste er Milliardenverluste wegen Problemen bei Neubauprojekten von Stahlwerken in Brasilien und in den USA abschreiben. Dennoch beträgt Schulz’ Einkommen noch mehr als das 60-fache des durchschnittlichen Jahreseinkommens eines bei ThyssenKrupp beschäftigten Stahlarbeiters.

Es gibt eine direkte Beziehung zwischen diesen hohen Vorstandsgehältern und den Angriffen auf die Arbeiterklasse. Die Dax-Konzerne haben 2009 massiv Stellen gestrichen. Allein in Deutschland haben sie 45.000 Arbeitsplätze abgebaut, weltweit mehr als 116.000.

SpiegelOnline schrieb Ende Dezember in einer Bilanz: "2009 hat die Krise Deutschland voll erfasst. Manchmal mit lautem Tamtam, so bei Opel, Karstadt und Quelle. Manchmal auch ganz leise. Tausende von Jobs gingen in diesem Jahr verloren, ohne dass darüber berichtet wurde."

Zu den Unternehmen, die am meisten Stellen abgebaut haben, gehört der Versicherungskonzern Allianz, der 2009 rund 21.000 Mitarbeiter weniger beschäftigte als im Jahr zuvor. Ein Teil dieser Arbeitsplätze ging durch den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank verloren. Die Eingliederung der Dresdner Bank in die Commerzbank und ein Umsatzeinbruch von fast 40 Prozent gefährden dort nun Tausende von Arbeitsplätzen.

Den zweitgrößten Arbeitsplatzabbau gab es beim Autokonzern Daimler, der 4.200 Stellen beseitigte. Der Handelskonzern Metro strich 3.800 Arbeitsplätze, der Stahlkonzern ThyssenKrupp 3.200 und der Elektrokonzern Siemens 3.000. Nicht enthalten in diesen Zahlen sind Zehntausende von Leiharbeitern, die ihre Arbeit als Erste verloren.

Der Siemens-Konzern, dessen Chef Peter Löscher die Einkommensstatistik anführt, hat sich beim Abbau von Arbeitsplätzen besonders hervorgetan. Löschers Millioneneinkommen ist mithin eine Art Prämie für sein rücksichtsloses Vorgehen. Die Zahlen des Siemens-Konzerns widerspiegeln, was in der gesamten Gesellschaft vor sich geht: Die Konzerne nutzen die Wirtschaftkrise, um die Kluft zwischen Durchschnitts- und Spitzeneinkommen, zwischen Arbeitern und Arbeitslosen auf der einen und Kapitalbesitzern und Managern auf der anderen Seite zu vertiefen.

Weltweit hat Siemens allein im letzten Jahr 20.000 Arbeitsplätze abgebaut, dicht gefolgt von der Deutschen Post (knapp 18.000), Daimler (rund 16.000) und ThyssenKrupp (knapp 10.000). Durch unternehmensinterne Spar- und Rationalisierungsprogramme wurde gleichzeitig die Ausbeutung der verbliebenen Arbeiter und Angestellten enorm verstärkt.

Ende Januar kündigte der Siemens-Vorstand den Abbau von weiteren 2.000 Stellen in Deutschland an. Kurz zuvor waren die Zahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2009/2010 bekannt gegeben worden. Der Gewinn nach Steuern stieg um fast 25 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, obwohl der Umsatz um acht Prozent auf 17,3 Milliarden Euro gesunken war. Für das gesamte laufende Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit einem Rückgang des Umsatzes um fünf Prozent und einem Anstieg des Gewinns um etwa 20 Prozent.

Die bereits angekündigten Abbaupläne sind nur der Anfang von weiter reichenden Kürzungsplänen. So sind allein in der IT-Sparte SIS rund 35.000 Arbeitsplätze bedroht. Sie soll ausgegliedert, saniert und anschließend verkauft werden.

Bereits im Dezember letzten Jahres schrieb die Süddeutsche Zeitung zu den Abbauplänen bei Siemens: "Es wird also weiter abgebaut bei Siemens, aber Löscher würde das alles gerne ohne Geräusche machen. Das gilt auch für den Arbeitsplatzabbau, der sich vor allem in der Industriesparte fortsetzen wird. 10.000 Stellen könnten konzernweit wegfallen, fürchten Arbeitnehmervertreter.... Erstaunlich geräuschlos hatte Siemens bereits in diesem Jahr weltweit 23.000 Arbeitsplätze abgebaut."

Dieser geräuschlose Abbau von Arbeitsplätzen ist vor allem der Unterstützung der IG Metall zu verdanken. IGM-Chef Berthold Huber ist stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens. Siemens-Chef Löscher wird am 17. März Gast bei Hubers Geburtstagsfeier im Kanzleramt Angela Merkels sein.

Siehe auch:
DIW-Studie zeigt hohen Anstieg der Armut in Deutschland
(23. Februar 2010)
IGM-Chef Huber feiert Geburtstag im Kanzleramt
( 12. März 2010)