50 Jahre seit dem Militärputsch in Brasilien

Von Bill Van Auken
4. April 2014

Brasilien beging am 1. April den 50. Jahrestag des Militärputsches von 1964, nach dem das größte Land Lateinamerikas einundzwanzig Jahre lang von einer brutalen Diktatur regiert wurde.

Die Ereignisse vor 50 Jahren wurden von Anfang bis Ende von der CIA, dem US-Außenministerium, dem Pentagon und dem Weißen Haus organisiert, zuerst unter John F. Kennedy, danach unter Lyndon B. Johnson.

Um der Schrecken, die vor 50 Jahren entfesselt wurden, und der tausenden von Opfern zu gedenken, sind eine Reihe von Foren, Ausstellungen und Versammlungen geplant. Präsidentin Dilma Rouseff von der brasilianischen Arbeiterpartei, die selbst während der von den USA unterstützten Diktatur eingesperrt und gefoltert worden war, nutzte den Anlass außerdem für eine Fernsehansprache, in der sie das Land aufrief, sich zu erinnern. Sie versicherte, die Brasilianer könnten "auf diese Zeit zurückblicken und daraus lernen, denn wir haben sie überstanden."

Gleichzeitig veröffentlichte ihr Justizminister Jose Eduardo Cardozo eine offizielle Entschuldigung im Namen der brasilianischen Regierung für "die Geschehnisse während der Diktatur, für die Toten, für die Folter."

Diese formelle Entschuldigung widerlegt Rousseffs Behauptung, die Ereignisse von 1964 seien "überstanden" und zeigen deutlich, wie grundlegend der aktuelle brasilianische Staat und sein Unterdrückungsapparat an die Diktatur anknüpfen, die vor 29 Jahren die Macht an eine Zivilregierung abgegeben hat. Während dieser ganzen Zeit haben alle Regierungen - auch die PT in ihrer mehr als zehnjährigen Herrschaft - eine umfassende Amnestie beibehalten, die die Militärjunta 1979 durchgesetzt hatte, die verhinderte, dass auch nur ein einziger Funktionär des Militärs oder der Polizei für die Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden konnte, die während der Militärherrschaft begangen wurden.

Weniger als eine Woche vor dem Jahrestag erschien ein Bericht über die Aussage eines pensionierten Obristen des brasilianischen Militärs vor einer der "Wahrheitskommissionen," die Rousseff gegründet hatte. Ihr Inhalt war ein beängstigendes Beispiel dafür, in welchem Maß die Verbrecher der Diktatur Straffreiheit genießen.

Der ehemalige Offizier Paulo Malhaes erklärte der Kommission detailliert, wofür er in einem geheimen Folterzentrum in Petropolis nördlich von Rio de Janeiro verantwortlich war, das als "Haus des Todes" bekannt war. Malhaes berichtete, wie politische Gefangene nach langer Folter hingerichtet wurden, dass er ihnen methodisch die Finger abgetrennt und die Zähne herausgebrochen hatte, um sicherzustellen, dass ihre Leichen nie identifiziert werden konnten.

Nadine Borges, eine Anwältin der Wahrheitskommission in Rio, die ihn befragt hatte, erklärte: "Er zeigte keine Reue. Er sagt, es sei ein antikommunistischer Kampf des Guten gegen das Böse gewesen, und Krieg sei Krieg... Ich war erschüttert darüber, mit welcher Präzision er die Tatsachen schilderte und wie stolz er war, der Militärführung gedient zu haben."

Offiziell wurden nachweislich 486 Brasilianer von der Diktatur ermordet, weitere tausende sind während der Militärherrschaft "verschwunden." Mehr als 100.000 Menschen wurden aus politischen Gründen verhaftet, mindestens 50.000 davon wurden gefoltert.

Die US-Regierung war an dieser brutalen Unterdrückung brasilianischer Arbeiter, Bauern, Studenten, Künstler und Intellektuellen eng beteiligt und unterstützte sie.

Ein Telegramm, das der amerikanische Botschafter Lincoln Gordon am 27. März 1964 nur wenige Tage vor dem Putsch an das Außenministerium in Washington schickte, zeigt, wie tief die USA in das Komplott zum Sturz der demokratisch gewählten brasilianischen Regierung von Präsident Joao "Jango" Goulart verstrickt waren, und wie weit Washington bereit war zu gehen, um seine Ziele zu erreichen.

Goulart, der aus einer Familie von wohlhabenden Grundbesitzern stammte, hatte Washington verärgert, weil er einige Reformen einführte, darunter die Verstaatlichung einer Tochtergesellschaft von ITT und mehrerer Ölraffinerien, die Rückführung von Profiten ausländischer Konzerne begrenzte und ein Landreformprogramm einführte. Außerdem lehnte er amerikanische Sanktionen gegen Kuba ab.

Botschafter Gordon gab zu, dass es durch den Putsch möglicherweise zu einem Bürgerkrieg des Militärs gegen die Zivilbevölkerung kommen könnte. Er argumentierte, dieses Blutbad sei gerechtfertigt, um zu verhindern, dass Brasilien "das China der 60er Jahre" wird.

Gordon warb um Unterstützung für einen Militärputsch unter Führung von General Humberto Castelo Branco, den Goulart zum Stabschef des Heeres ernannt hatte. Castelo Branco wurde persönlich vom amerikanischen Militärattaché in Brasilien ausgewählt, dem damaligen Colonel Vernon Walters, der in seiner Zeit als Verbindungsmann bei den brasilianischen Expeditionstruppen, die im Zweiten Weltkrieg in Italien kämpften, enge Beziehungen zu den brasilianischen Generälen aufgebaut hatte. Nach dem erfolgreichen Putsch in Brasilien wurde Walters zum General befördert. In den 1970ern wurde er stellvertretender CIA-Direktor, in den 1980ern UNO-Botschafter der USA.

Gordon drängte die Regierung Johnson in seinem Telegramm, "geheime Waffenlieferungen" und Treibstoff an die Putschisten zu liefern und eine "offene Intervention" vorzubereiten; er forderte die Entsendung eines Gefechtsverbandes der US-Marine vor die brasilianische Küste sowie ein Kontingent Marines. Er warnte vor allem vor möglichen "Bestrebungen" der brasilianischen Arbeiterklasse, einen Generalstreik zu führen.

Der Botschafter fügte hinzu, dass die Botschaft in Brasilien mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln "ergänzende Maßnahmen zur Stärkung der Widerstandskräfte" unternehmen würde. Er erklärte weiter, diese Maßnahmen würden "versteckte Unterstützung für prodemokratische Straßenkundgebungen" und die "Ermutigung von demokratischen und antikommunistischen Ansichten im Kongress, den Streitkräften, verbündeten Gewerkschafts- und Studentengruppen, Kirchen und Unternehmen" beinhalten.

In Wirklichkeit fanden diese "ergänzenden Maßnahmen" schon statt, seit Goulart 1961 Präsident geworden war. 1963 hatte Präsident Kennedy grünes Licht für die Vorbereitung eines Putsches gegeben. Es wurden Millionen Dollar investiert, um Kongressabgeordnete zu bestechen und Kandidaten zu fördern, die die CIA ausgewählt hatte. Die amerikanischen Geheimdienste nutzten die Gewerkschaftsbürokratie der AFL-CIO, um in Brasilien rechte Gewerkschaftsbürokraten einzustellen und auszubilden, um den Putsch logistisch zu unterstützen. Amerikanische Agenten verbreiteten antikommunistische Propaganda und schürten rechte Demonstrationen.

Gordons Empfehlungen wurden von der Regierung Johnson allesamt akzeptiert. Daraufhin begann sie eine Operation, die später als "Brother Sam" bekannt wurde. Eine Flugzeugträger-Kampfgruppe wurde in den Südatlantik geschickt, außerdem Tanker mit Treibstoffreserven, und auf dem Luftwaffenstützpunkt McGuire Air Force Base in New Jersey wurden 110 Tonnen Waffen bereitgestellt, darunter CS-Gas, Gewehre vom Kaliber 12 und andere Ausrüstung zur Niederschlagung von Aufständen, die per Flugzeug nach Brasilien geschickt werden sollten.

Letzten Endes war keine offene Intervention notwendig, da Goulart sich den Diktaten des Imperialismus und der herrschenden Klasse Brasiliens beugte, den Putsch nicht niederschlagen konnte und aus Rio zuerst auf seine Ranch im südbrasilianischen Staat Rio Grande do Sul, und danach ins Exil floh, zuerst nach Uruguay, danach nach Argentinien. Versprengter Widerstand der Arbeiterklasse, deren Kämpfe von ihrer stalinistischen Führung der Goulart-Regierung untergeordnet wurde, wurde zerschlagen.

Goulart starb 1976 überraschend in Argentinien. Letzten November ließ die brasilianische Regierung seine Leiche exhumieren, um Vorwürfe zu überprüfen, er sei im Rahmen von Operation Condor vergiftet worden, dem Mordprogramm, das lateinamerikanische Diktaturen in Zusammenarbeit mit der CIA betrieben.

Die Regierung Johnson beeilte sich, die Militärjunta unter Castelo Branco anzuerkennen. In einem aufgezeichneten Gespräch mit seinem nationalen Sicherheitsberater McGeorge Bundy verwarf Johnson die Empfehlung, er solle bei seiner Unterstützung des Regimes zurückhaltend sein, nachdem die ersten Berichte über Massenverhaftungen, Ermordungen und Folter aufkamen. Er antwortete: "Ich denke, manche Leute gehören eingesperrt“, und bekräftigte die "herzliche" Unterstützung der USA für die Diktatur.

Herzliche Unterstützung kam auch von amerikanischen Konzernen. Die amerikanische Handelskammer in Sao Paulo unterstützte öffentlich die diktatorischen Dekrete des Regimes und erklärte sie für wichtig, um "wirtschaftliche Stabilität" zu erlangen. General Motors, Ford, Firestone, Volkswagen und andere Unternehmen bauten intime Beziehungen mit der Geheimpolizei der Diktatur auf und lieferten ihr die Namen von militanten Arbeitern, die daraufhin verhaftet und gefoltert wurden und danach "verschwanden." Genau wie das brasilianische Militär wurde keines dieser Unternehmen je für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen. Sie machen in dem Land weiterhin Gewinne und die PT-Regierung schützt ihre Interessen.

Der Putsch war nicht nur der Beginn eines zwanzig Jahre andauernden Alptraums für Brasilien, sondern auch das Modell für weitere von den USA unterstützte Putsche in Uruguay, Argentinien, Chile und anderen lateinamerikanischen Ländern, die dazu führten, dass hunderttausende von Menschen getötet, gefoltert oder eingesperrt wurden. Das brasilianische Militär, das vom Pentagon ausgebildet worden war, stellte den Militärs anderer Diktaturen "Berater" zur Verfügung, die sie bei der Unterdrückung von Widerstand berieten.

Heute inszeniert sich Washington als Kämpfer für Demokratie und das Recht der Bevölkerung von Ländern wie der Ukraine und Venezuelas, die in sein Fadenkreuz geraten sind, "ihre Zukunft selbst bestimmen zu können," doch der Jahrestag des Putsches in Brasilien erinnert an die Rolle des US-Imperialismus als größtes Schurkenregime der Welt.