Die Kometenlandung: Ein neuer Meilenstein in der Weltraumforschung

Von Bryan Dyne
29. November 2014

Millionen Menschen auf der ganzen Welt begrüßten mit Enthusiasmus die Nachrichten der vergangenen Woche über das erfolgreiche Aufsetzen des Landers Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, einem kleinen und felsigen Himmelskörper, der sich eine halbe Milliarde Kilometer von der Erde entfernt befindet. Damit wurde ein neuer Meilenstein erreicht und zugleich gelang es Wissenschaftlern erstmals, an Ort und Stelle eine Analyse des Kometen zu erstellen.

Während ihrer sechzigstündigen Arbeitszeit haben Philaes neun Instrumente Informationen über den Kometen zusammengetragen, die helfen werden, Antworten auf Fragen zur Geschichte des Sonnensystems zu geben, auf die seit langem gewartet wird. Insbesondere erhoffen die Wissenschaftler von der Mission Einsichten zur Theorie, dass Kometen frühe Überbringer von Wasser und organischen Stoffen zur Erde waren. Obwohl der Lander aufgrund von Energiemangel in einen Winterschlaf getreten ist, bieten die Ergebnisse, die er zuvor zurückgesendet hat, bereits Erkenntnisse über die Zusammensetzung des Kometen.

Man hofft, der kleine “Hopser”, den Philae am Freitag ausführte, um seine Richtung zu ändern, werde der Sonde ermöglichen, genug Energie aufzunehmen, um bald wieder in Kontakt zu treten. Wahrscheinlicher ist, dass der Lander in den kommenden Tagen und Monaten lautlos Kraft tanken wird, um schließlich seine Untersuchungen fortzusetzen. Der Rosetta-Orbiter, der Philae an seinen Bestimmungsort gebracht hatte, wird am Platz verbleiben und den Kometen mindestens noch ein Jahr beobachten, während er sich der Sonne nähern und beginnen wird, größere Teile seiner selbst zu verlieren.

Entgegen den nicht enden wollenden Lobpreisungen der Herrlichkeiten, mit denen das Profitprinzip angeblich die Menschheit beglückt, muss betont werden, dass die Rosetta-Mission, die vor zehn Jahren gestartet wurde, nicht von der angestrebten privaten Ertragssteigerung irgendeines Großkonzerns motiviert wurde, sondern vielmehr von der rationalen Zusammenführung der kollektiven Arbeit tausender Wissenschaftler auf der ganzen Welt.

Der Lander, der befähigt wurde, Proben von der Oberfläche des Kometen sowie von den Gasen zu entnehmen, die seinen verdampfbaren Materialien entströmen, wurde mit einem Instrumentarium ausgestattet, das Wissenschaftler aus mehr als einem Dutzend Länder konstruierten. Die Leitung des Landers wurde von Wissenschaftlern in Deutschland übernommen, ein Konsortium von Sachverständigen aus Österreich, Finnland, Frankreich, Ungarn, Irland, Italien und Großbritannien war beteiligt.

Trotzdem nahmen unnötige Einschnitte in die Wissenschaftsfinanzierung – diktiert von Regierungen, die sich “wichtigere” Prioritäten setzten – auch auf diese Mission entscheidenden Einfluss. Die ursprünglichen Pläne, die ein Raumfahrzeug vorsahen, das mit einer Probe des Kometen zurück zur Erde kommen sollte, wurden aufgrund unzureichender Mittel aufgegeben. Aus finanziellen, nicht etwa aus wissenschaftlichen, Rücksichten wurden preiswertere Optionen sowohl für den Missionsstart und das Beförderungsmittel als auch für das Antriebssystem des Landers ausgewählt. Darüber hinaus wirkte sich das Nichtvorhandensein einer atomaren Stromquelle negativ auf die Rosetta-Mission aus. Der letztgenannte Punkt stellt außerdem die Möglichkeit ähnlicher zukünftiger Unternehmungen in Frage.

Nichtsdestoweniger war die Kometenlandung in jeder Hinsicht höchst erfolgreich und in den kommenden Wochen und Monaten werden wir ausgiebig Gelegenheit haben, von Phileas langer Reise zu lernen.

Der Erfolg von Philae bildet einen scharfen Kontrast zu den beiden Katastrophen, die sich Ende letzten Monats im Verlauf einer Woche in der Raumfahrt ereigneten. Beide unterstreichen die Konsequenzen der Privatisierung und der Unterordnung der Weltraumforschung unter den privaten Profit. SpaceShipTwo, das Aushängeschild des Weltraumtourismusunternehmens Virgin Galactic, explodierte im Flug und tötete einen Testpiloten. Bei dem anderen Zwischenfall ereignete sich kurz nach dem Start einer Antaras-Rakete des Privatunternehmens Orbital Sciences Corporation, die auf eine Versorgungmission der Internationalen Weltraumstation ISS geschickt wurde, ein katastrophales Maschinenversagen.

In beiden Fällen wurde Profit über Sicherheit und Konstruktion gestellt: SpaceShipTwo flog mit neuem Treibstoff, der laut den Wissenschaftlern des Unternehmens nicht ausreichend getestet war, und Antares nutzte umfunktionierte sowjetische Antriebe, die über vierzig Jahre alt waren. (Vgl. Kapitalismus und das Weltraumprogramm)

Die Errungenschaften der Wissenschaft stechen aufs Stärkste gegen den katastrophalen Kurs ab, auf den sich die herrschenden Klassen verschworen haben und der die Welt in den Abgrund zu reißen droht.

Vergangenes Wochenende kamen die Führer der G-20 inmitten einer wachsenden geopolitischen Krise, die von einer zunehmend aggressiveren Kriegstreiberei der imperialistischen Großmächte provoziert wird, in Australien zusammen. In Europa setzen die Vereinigten Staaten und Westeuropa einmal mehr Russland in der Ukraine-Krise das Messer an den Hals. Auf dem pazifischen Schauplatz werden Australien, Japan und eine Reihe weiterer Länder von den Vereinigten Staaten zur Eindämmung Chinas in Position gebracht. Im Nahen Osten begann die Obama-Regierung einen neuen Krieg im Irak und in Syrien und beeilt sich, ihn auszuweiten.

Unvorstellbare Summen werden zum Zwecke des Tötens und Zerstörens verschleudert. Die Vereinigten Staaten allein geben weit über eine Billion Dollar jährlich dafür aus, ihren Militär- und Geheimdienstapparat in Schuss zu halten. Dem stehen 1,75 Milliarden Dollar gegenüber, die in die Rosetta-Mission flossen. Schätzungen zufolge werden sich die Kosten für den Irakkrieg 2003-2011 auf vier Billionen Dollar belaufen.

Dann sind da die Summen, die die Finanzaristokratie erhält, die beispiellosen Billionen, die den Banken ausgehändigt werden, damit die Aktienmärkte in Geld schwimmen und die Superreichen ihren Heißhunger nach Kapital stillen können. Hinzu gesellt sich, dass die herrschenden Eliten jeden Landes alles, was rückwärtsgewandt, wissenschaftsfeindlich und reaktionär ist, in politische und ideologische Formen gießen, während sie die Menschheit in eine Sackgasse treiben.

Wissenschaftliche Errungenschaften wie die Kometenlandung sind eine wichtige Erinnerung daran, dass die Menschheit zu Großem befähigt ist, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Begrenzungen durch die Erdatmosphäre. Sie deuten auf Möglichkeiten hin, deren Verwirklichung von der unabhängigen politischen Mobilisierung der Arbeiterklasse abhängen, die als Verteidigerin alles dessen hervortreten muss, was fortschrittlich ist.

Was hindert uns, die großen, drängenden Herausforderungen zu bestehen, mit denen wir konfrontiert sind? Es sind nicht die produktiven Kapazitäten der Menschheit – es ist die gesellschaftliche Organisation des Kapitalismus. In einer Gesellschaft, die sich auf rationale Prinzipien gründet, würden die wissenschaftlichen Methoden, die zur Landung auf einem Kometen angewendet werden, mit gleichem Erfolg Anwendung finden, um die Probleme hier auf Erden zu lösen: Armut, Arbeitslosigkeit, Umweltkatastrophen, Krankheit, Hunger und Krieg.

Bei Betrachtung der Kometenlandung erinnert man sich unwillkürlich an den verstorbenen Carl Sagan, der einmal bei Erwägung der unermesslichen Weiten des Weltalls bemerkte: „Endlose Welten, zahllose Momente, unermesslicher Raum und Zeit. Und unser kleiner Planet, wo wir gerade an einem entscheidenden historischen Scheideweg angekommen sind. Was wir in diesem Augenblick mit unserer Welt tun, wird sich über die folgenden Jahrhunderte fortpflanzen und mit Macht das Schicksal unserer Nachfolger bestimmen. Fraglos haben wir die Macht, unsere Zivilisation zu vernichten, und vielleicht sogar unsere Spezies… Doch wir sind auch befähigt, unser Mitgefühl und unsere Intelligenz, unsere Technologie und unseren Wohlstand dazu zu nutzen, um jedem Bewohner dieses Planeten ein prächtiges und erfülltes Leben zu ermöglichen.“

Diese Worte wurden 1980 gesprochen, mitten im Kalten Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion. Fünfunddreißig Jahre später treffen sie mit noch größerer Entschiedenheit zu. Die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten – der Zerstörung der Zivilisation oder der Errichtung der Bedingungen für wissenschaftlichen und sozialen Fortschritt – hängt von der Schaffung einer neuen Grundlage für die menschliche Gesellschaft ab, vom Sturz des Kapitalismus und seiner Ersetzung durch den Sozialismus. Es ist, kurz gesprochen, eine revolutionäre Frage.