Bundeswehr stellt neues Panzerbataillon auf

Von Johannes Stern
11. Dezember 2018

Am vergangenen Donnerstag verkündete Verteidigungsministerin Ursula von Leyen die Aufstellung eines neuen Panzerbataillons. „Heute ist ein guter Tag für die Panzertruppe“, erklärte sie auf dem Truppenübungsplatz Munster in der Lüneburger Heide. Die Szenerie war martialisch. Das offizielle Video der Bundeswehr zeigt von der Leyen, die vor einer Armada von Kampfpanzern und Soldaten spricht.

Bundeswehrvideo: Von der Leyen spricht in Munster

Sie könne „heute verkünden, dass wir in 2019 ein neues weiteres Panzerbataillon aufstellen werden“, sagte von der Leyen. Es werde in Hardheim in Baden-Württemberg stationiert werden und über 500 neue Dienstposten umfassen.

Die Vergrößerung der Panzereinheiten ist Bestandteil einer umfassenden militärischen Aufrüstung. Nachdem „seit der Wiedervereinigung über 25 Jahre lang die Bundeswehr nur geschrumpft ist und immer wieder Panzerbataillone auch abgebaut hat“, wachse die Bundeswehr „heute seit vielen Jahrzehnten zum ersten Mal wieder“ und es gebe „ein Panzerbataillon, das neu aufgestellt wird“, verkündete die Verteidigungsministerin.

Die „Panzertruppe“ sei „das Rückgrat des Heeres“ und trage „die Hauptlast und Verantwortung beim Thema Landes- und Bündnisverteidigung“, fuhr von der Leyen fort. Das sei „ein Grund, warum wir kräftig investieren. Über viele, viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ist die Landes- und Bündnisverteidigung vernachlässigt worden. Es hat Lücken gegeben und hohle Strukturen und die füllen wir inzwischen wieder auf.“

75 Jahre nach ihren Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg arbeitet die herrschende Klasse wieder am Aufbau einer veritablen Panzerstreitmacht, um eine Rolle in den Kriegen und Großmachtkonflikten des 21. Jahrhunderts zu spielen.

„In den kommenden Jahren bekommt das Heer über hundert neue Kampfpanzer, weitere hundert werden auf den neuesten Rüststand gebracht. Wir werden im Jahr 2018/19 140 Schützenpanzer Puma […] bekommen.“ Sie würden „neu ausgeliefert“, wie auch 70 Einheiten des Schützenpanzers Boxer und knapp 100 Stück des Transportpanzers Fuchs. Ebenfalls ausgeliefert würden „der neue Brückenlegepanzer Leguan […] und endlich, endlich über 6000 Nachtsichtbrillen“.

Die Aufrüstung der deutschen Panzertruppe richtet sich auch heute vor allem gegen Russland, das Hitlers Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg überfallen und mit einem fürchterlichen Vernichtungskrieg überzogen hatte.

„Wir werden die schnelle Speerspitze nicht nur im Jahr 2019, sondern auch im Jahr 2023 stellen“, brüstete sich von der Leyen in Munster. Die schnelle Speerspitze oder Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) der Nato ist ein schnell verlegbarer Eingreifverband, der 2015 ausgehoben wurde und eine zentrale Rolle bei den Nato-Kriegsvorbereitungen gegen Russland spielt.

Um die „Leistungsfähigkeit unserer Panzertruppe“ sowie der VJTF sicherzustellen, werde die Bundesregierung „in den kommenden Jahren über vier Milliarden Euro“ in die „gesamte Digitalisierung landbasierter Operationen“ investieren, verkündete von der Leyen. „Es geht darum, die vielen digitalen Inseln zu einem gemeinsamen militärischen Lagebild zusammenzuführen und ein schnelles vernetztes Handeln aller beteiligten Einheiten [zu] gewährleisten. Unsere Soldatinnen und Soldaten verdienen die modernste Ausrüstung.“

Der Bundeswehrstandort Munster soll in diesem Zusammenhang als der größte Standort des Heeres und als „Herz der Panzertruppe“ (von der Leyen) massiv ausgebaut werden. Insgesamt sollen „mehr als 300 Millionen Euro in rund 219 Projekte fließen“, heißt es auf der offiziellen Website des Verteidigungsministeriums. Dabei gehe es unter anderem „um den Neubau von insgesamt sechzehn Unterkunftsgebäuden am Standort, einem Wirtschaftsgebäude mit Mannschaftsheim, einem Duo-Gebäudes für Heimbetrieb und Unteroffizierheimgesellschaft“. Hinzu komme die Modernisierung der Schießanlage sowie zahlreicher Schießbahnen auf den Truppenübungsplätzen Munster und Bergen.

Weitere 19 Millionen seien für das Deutsche Panzermuseum in Munster vorgesehen, verkündete von der Leyen. Bei diesem „Herzensanliegen“ gehe es nicht nur um „die Ausbildung unseres Nachwuchses, sondern eben auch um die Traditionspflege“.

Was die Traditionen der Bundeswehr sind, davon legt gerade die Garnisonsstadt Munster beredtes Zeugnis ab. Die erste Belegung des 1892 eingerichteten Lagers erfolgte durch das Oldenburgische Infanterie-Regiment Nr. 91 unter seinem Kommandeur Paul von Hindenburg. Bis heute ist die „Hindenburg-Kaserne“ nach dem Mann benannt, der als Chef der Obersten Heeresleitung (OHL) eine Schlüsselrolle beim ersten deutschen Griff nach der Weltmacht spielte und später als Reichspräsident Adolf Hitler zum Reichskanzler berief.

Die braunen Traditionen des deutschen Militärs werden in Munster bis heute aktiv gelebt. Bereits 2012 berichtete das ARD-Magazin „Kontraste“ über eine Gedenkfeier „im Ehrenhain“ des Bundeswehr-Ausbildungszentrums Munster, auf der das „Treuelied der Waffen-SS“ gespielt wurde.

Im vergangenen Jahr rückte Munster dann im Zusammenhang mit dem Neonazi-Terrornetzwerk um den Bundeswehr-Oberleutnant Franco A. erneut in die Schlagzeilen. Medienberichten zufolge hatten Franco A. und sein mutmaßlicher Komplize Maximilian T. Kontakt zu einem Studenten der Bundeswehr-Uni in München, der sich in Munster aufgehalten haben soll, als dort im Februar 2017 eine P8-Pistole, zwei G36-Sturmgewehre, zwei Funkgeräte und 60 Schuss Munition aus einem Panzer entwendet wurden.

Mittlerweile ist bekannt, das die Terrorzelle aus etwa 200 ehemaligen und aktiven Bundeswehrsoldaten besteht und bis in das Kommando Spezialkräfte (KSK) und den Militärischen Abschirmdienst (MAD) hinein reicht. In einem ausführlichen Artikel unter der Überschrift „Die Verschwörung“ hatte das Nachrichtenmagazin Focus im November von einer „gefährlichen Schattenarmee“ berichtet, die sich ähnlich wie die „schwarze Reichswehr“ in der Weimarer Republik auf die Ermordung von Politikern und die gewaltsame Niederschlagung revolutionärer Unruhen vorbereitet.

Viele fragen sich, warum Politik und Medien die gefährlichen Enthüllungen weitgehend ignorieren. Von der Leyens Besuch gab darauf eine Antwort. Letztlich hüllen sich die Verantwortlichen in den Ministerien, den politischen Parteien und den Redaktionsstuben in Schweigen, weil sie die rechten Seilschaften abdecken und unterstützen. Sie brauchen die rechtsextremen Strukturen in der Bundeswehr für die massive Aufrüstung nach außen und die Unterdrückung der wachsenden Opposition im Inneren.

Bezeichnenderweise präsentiert das von der Verteidigungsministerin so tatkräftig unterstützte Deutsche Panzermuseum gegenwärtig einen Aufruf des Armee-Oberkommandos vom 28. November 1918 als „Objekt des Monats“. Das Dokument ist eine hasserfüllte Hetzschrift gegen die russische Oktoberrevolution und ihre führenden Unterstützer in Deutschland, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Es warnt vor der „Schreckensherrschaft der Liebknecht-Leute“ und solidarisiert sich stattdessen mit der sozialdemokratischen Ebert-Regierung, die in enger Zusammenarbeit mit rechtsradikalen Freikorps die Novemberrevolution vor 100 Jahren blutig unterdrückte.

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