Fehlende Maßnahmen gegen den Klimawandel führen zum wärmsten Jahrzehnt seit Beginn der Aufzeichnungen

21. Januar 2020

Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO), die US-Raumfahrtbehörde NASA und die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde der USA (NOAA) sind unabhängig voneinander zu dem Schluss gekommen, dass im letzten Jahrzehnt, von 2010 bis 2019, die heißesten globalen Oberflächentemperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen wurden. Jedes Jahrzehnt seit den 1960er Jahren war heißer als das vorhergehende.

Die fünf Jahre von 2015 bis 2019 waren die wärmsten. 2019 war das zweitheißeste Jahr – nur übertroffen von 2016, als das El-Niño-Wettergeschehen die Temperaturen auf das bisher höchste Niveau trieb. Die durchschnittliche Oberflächentemperatur ist seit der vorindustriellen Zeit um 1,1 Grad Celsius angestiegen, während sich die Ozeane, die den größten Teil der Wärme aufnehmen, noch schneller erwärmen. Unter glaubwürdigen Wissenschaftlern ist unbestritten, dass die Ursache in den langfristigen Auswirkungen der menschlichen Emissionen von Kohlendioxid und anderen Treibhausgasen in die Atmosphäre liegt.

Der Generalsekretär der WMO, Petteri Taalas, kommentierte die Entwicklung wie folgt: „Das Jahr 2020 hat dort begonnen, wo 2019 aufgehört hat – mit wetter- und klimarelevanten Ereignissen. Australien hatte 2019 das heißeste und trockenste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen, in dem die massiven Buschfeuer, die für Menschen und Eigentum, die Tierwelt, die Ökosysteme und die Umwelt so verheerend waren, den Schauplatz bildeten. Leider erwarten wir für das Jahr 2020 und die kommenden Jahrzehnte viel extremere Wetterverhältnisse, die durch die Rekordmengen an Treibhausgasen in der Atmosphäre angeheizt werden.“

Ein Waldbrand auf der Anhöhe von Casitagua, nördlich von Quito, Ecuador, am Mittwoch, den 15. Januar 2020. Das Feuer bedroht zwar keine Häuser, doch der Rauch erreicht den Norden von Quito. (AP Photos/Dolores Ochoa)

Hunderte von Millionen Menschen auf der ganzen Welt leiden unter den Auswirkungen des vom Menschen verursachten Klimawandels. Allein im Jahr 2019 war nach Ansicht der Wissenschaftler die globale Erwärmung der Hauptfaktor für intensivere Hitzewellen, Dürren und Brände, regelmäßigere und heftigere tropische Stürme und Überschwemmungen, die zunehmende Versäuerung der Ozeane, das beschleunigte Abschmelzen des Permafrosts, die Verdünnung der Eisschilde in der Arktis und Antarktis und den stetigen Anstieg des Meeresspiegels.

Was getan werden muss, um die globale Erwärmung einzudämmen, ist bekannt. Die Emissionen müssen drastisch reduziert werden, und zwar durch den groß angelegten Einsatz kohlenstofffreier Alternativen zu fossilen Brennstoffen in Verbindung mit dem Einsatz sicherer Mittel, um vorhandenen Kohlenstoff aus der Atmosphäre aufzufangen. Geschieht dies nicht, so der WMO-Vorsitzende Taalas, dann „gehen wir auf dem derzeitigen Weg […] auf einen Temperaturanstieg von drei bis fünf Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts zu.“

Doch trotz aller Erklärungen von Unternehmen und Regierungen, sie hätten die Notwendigkeit erkannt, dass der Verbrauch fossiler Brennstoffe reduziert werden muss, stiegen die Kohlenstoffemissionen nach Schätzungen des Global Carbon Project im Jahr 2019 auf das höchste jemals erreichte Niveau. Obwohl die Emissionen aus Kohle zurückgingen – und immer noch 40 Prozent des weltweiten Gesamtausstoßes ausmachen – stiegen die Emissionen insgesamt durch den Einsatz von Erdöl und Erdgas an.

Auf der ganzen Welt wächst eine immense Wut – vor allem in der Arbeiterklasse und unter Jugendlichen – über die schiere Leichtfertigkeit und Kriminalität der Mächtigen, die sich geweigert haben, die notwendige Politik zur Vermeidung einer katastrophalen Erderwärmung umzusetzen.

Das Verständnis, das die politischen Kämpfe der kommenden Monate und Jahre prägen muss, ist jedoch, dass diese Untätigkeit und Gleichgültigkeit der Unternehmen und Regierungen direkt aus der Irrationalität des kapitalistischen Systems herrührt. Ein Gesellschaftssystem, das auf dem privaten Besitz von Reichtum, der Unterordnung der Produktion unter die Anhäufung von Profit und der Aufteilung der Welt in rivalisierende Nationalstaaten, also dem kapitalistischen System, basiert, ist unfähig, die zur Bewältigung der Klimakrise notwendige internationale Planung und Aufteilung von Ressourcen zu koordinieren.

Proteste und Appelle an das moralische Gewissen von Politik und Unternehmen haben mit den unverblümten Worten der jugendlichen Klima-Aktivistin Greta Thunberg „nichts erreicht“.

Stattdessen bestehen die Regierungen weltweit, angeführt von der Trump-Regierung in den Vereinigten Staaten, darauf, dass die fortgesetzte und sogar erweiterte Nutzung fossiler Brennstoffe für die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Industrien und ihr „nationales Interesse“ unerlässlich ist.

Gerade einmal 100 transnationale private oder staatliche Energiekonzerne – die enorme Renditen für die wohlhabende Elite erwirtschaften – sind für 71 Prozent aller Emissionen verantwortlich. Das enge, auf kurze Sicht angelegte Diktat der Aktionärsrenditen oder der billigen Energieversorgung für die Industrie hat Vorrang vor den langfristigen Interessen der gesamten Menschheit.

In Australien, wo die Brände in weiten Teilen des Kontinents die Realität des Klimawandels deutlich vor Augen geführt haben, hat Scott Morrison, der Premierminister des Landes, am Wochenende klar und deutlich erklärt: „Ich werde keine Kohlenstoffsteuer erheben. Ich werde die Strompreise der Menschen nicht in die Höhe treiben und ich werde keinen Rohstoffsektor auslöschen, auf den Millionen von Australiern angewiesen sind, insbesondere in ländlichen Gebieten.“

Morrison – ein besonders scharfer Verteidiger der fossilen Brennstoffindustrie – hat keine Bedenken wegen „Millionen von Australiern“, sondern wegen der Energiekonzerne. Sie erwirtschaften Milliardenprofite angesichts der Tatsache, dass Australien der weltweit größte Exporteur von Kohle und einer der größten Produzenten von Erdgas ist. Was die Besteuerung betrifft, so haben mehrere Regierungen in Australien, parallel zu ähnlichen Prozessen weltweit, den Steuersatz sowohl für Unternehmen als auch für die Reichen gesenkt. Enorme Reichtümer, die für gesellschaftlich sinnvolle Zwecke hätten genutzt werden können – einschließlich der kostengünstigen erneuerbaren Stromerzeugung – wurden an die oberen zehn Prozent und insbesondere an das oberste Prozent der Bevölkerung weitergeleitet.

Wie die letzten Wochen in Australien gezeigt haben, sind die Notfall- und Gesundheitsdienste, die für die Vorbereitung und die Reaktion auf immer schwerere Katastrophen benötigt werden, unterversorgt und unterbesetzt, während ein winziger Teil der Bevölkerung einen obszönen persönlichen Reichtum angehäuft hat.

Darüber hinaus fließen inmitten der eskalierenden Kämpfe der Unternehmen um Märkte und Gewinnanteile immer mehr Ressourcen in die Kriegsvorbereitung – nicht in die Reduzierung der Emissionen. Die weltweiten Militärausgaben stiegen 2018 um weitere 2,7 Prozent auf mindestens 1,8 Billionen Dollar, der größte Teil davon durch die USA, gefolgt von China, den europäischen Mächten, Saudi-Arabien und Indien – also Ländern, die auch für die höchsten Kohlenstoffemissionen verantwortlich sind.

Das Militär selbst ist ein bedeutender Faktor hinsichtlich der Emissionen. Für seine gewaltigen globalen Raubkriege und Einschüchterungen hätte allein der Treibstoffverbrauch des US-Militärs im Jahr 2017 genügt, auf Platz 47 der Länder mit dem größten Kohlenstoffausstoß weltweit eingestuft zu werden, wenn es als eigenständige Nation gezählt würde.

Am 3. Januar präsentierte die Perspektive der World Socialist Web Site, „Das Jahrzehnt der sozialistischen Revolution ist angebrochen“, eine knappe und objektive Zusammenfassung der politischen Herausforderungen der kommenden Periode. Diejenigen, die die historisch überholte kapitalistische Ordnung verteidigen, schüren den Abstieg in einen katastrophalen Großmachtkampf, den Angriff auf hart erkämpfte demokratische Rechte, die Zerstörung der Umwelt sowie ein beispielloses Ausmaß an sozialer Ungleichheit und unnötiger Entbehrung und Leid.

Die internationale Arbeiterklasse ist die einzige soziale Kraft, die dem Kapitalismus ein Ende setzen und eine sozialistische Gesellschaft aufbauen kann, die die menschlichen Bedürfnisse und nicht den privaten Profit in den Vordergrund stellt. Alles hängt jedoch davon ab, dass die Massenkämpfe der Arbeiter, die sich bereits in einem Land nach dem anderen entfalten, von sozialistischem Bewusstsein durchdrungen werden und sich zu einer weltweiten Bewegung für eine revolutionäre Umwälzung vereinen. Die Anstrengungen aller Arbeiter und Jugendlichen, die den Ernst der Weltlage und die Klimakrise erkennen, müssen sich dieser Aufgabe widmen.

James Cogan